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Zeche Neumühl im Jahre 1906

Leben und Arbeit in Neumühl - Teil 1, 1983-1933.

Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts beschließen Daniel Morian, Großgrundbesitzer und Fabrikant im Grenzbereich der damaligen Bürgermeistereien Beeck und Meiderich, und der Kommerzienrat Hugo Haniel aus Ruhrort, auf den Äckern in der Nähe der Neuen Mühle von Daniel Morian Bohrversuche nach Steinkohle zu unternehmen.
1856 wird die erste Bohrung bei einer Teufe von 120 m fündig, und Daniel Morian erhält für das von ihm so genannte Feld "Neumühl 1" das Bergwerkseigentum verliehen. Morian konsolidiert die ihm verliehenen 10 Teilfelder und gründet 1867 die "Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Neumühl". Morian besitzt 250 der tausend Kuxe (Anteilscheine), einige Mitglieder der Familie Haniel etwa 500 der Kuxe. 1890 beruft Franz Haniel eine Gewerkenversammlung ein, in der anstelle des verstorbenen Daniel Morian Hugo Haniel zum Repräsentanten der Gewerkschaft gewählt wird. 1893 gehen die Morianschen Kuxe in den Besitz von Mitgliedern der Familie Haniel über, die in der Gewerkenversammlung beschließen, die Inangriffnahme der Schachtabteufarbeiten auf der Zeche Neumühl nach Möglichkeit zu beschleunigen und dieselbe mit allen Mitteln zu forcieren, um eine baldige Inbetriebnahme der Zeche herbeiführen zu können. Zur Deckung bereits gemachter und weiter anstehender Ausgaben müssen die Gewerken eine erste Zubuße von 500.000 Mark leisten.
Der Ansatzpunkt für Schacht 1 wird von Franz Haniel nördlich der Emscher, an der Eisenbahnlinie von Ruhrort /Richtung Sterkrade in der Gemarkung Schmidthorst festgelegt.
Hier entsteht in den nächsten Jahren nicht nur eine große Schachtanlage, sondern auch die daneben erbaute "Kolonie Neumühl" mit Wohnungen für etwa 5000 Bergleute, ein Krankenhaus, zwei Kirchen und fünf Konsumanstalten, sämtlich erbaut mit Ziegelsteinen aus den beiden Ziegeleien der Zeche, die ihren Rohstoff von einer Tonschieferbank im Nebengestein der Fettkohlenpartie bezogen, die beim Kohleabbau mit hereingewonnen wurde.

Georg Werner, von 1903 bis 1907 Steiger auf Neumühl, berichtet in seinem Buch "Ein Kumpel" auf S. 123 ff. über die Lebens - und Arbeitsbedingungen der Neumühler Bergleute in der damaligen Zeit:
Zeche Neumühl liegt in Hamborn, einem Orte an der Mündung der Emscher in den Rhein. Hamborn setzt sich aus einigen Bauernschaften zusammen, deren eine, die an die Orte Sterkrade, Oberhausen und Meiderich grenzt, Neumühl heißt.....Die Familie Haniel errichtete von 1893 an die Schachtanlage Neumühl...... im Jahre 1893 begann mit 28 Arbeitern das Abteufen. Die Zeche hatte 1895 = 69, 1900 = 1872, 1902 = 3520 und 1904 = 4895 Mann Belegschaft. Eine solche Mammutanlage ist in Deutschland wahrscheinlich nur einmal errichtet worden....Die Anlage förderte 1903/1904 im Durchschnitt pro Tag 9100 bis 9200 Förderwagen zu je 10 Zentner! .....Der Betrieb raste!... Als im Jahr 1904 an einem Tage die Zusammensetzung der Belegschaft festgestellt wurde, setzte sie sich aus 3108 Deutschen, von denen 1340 aus den östlichen Provinzen stammten und Polnisch als Muttersprache redeten, ferner aus 1095 Österreichern aus Krain und Steiermark, Slovener oder Cuditsche genannt, aus 240 Holländern, 156 Italienern, 53 Russen, 33 Belgiern und 4 sonstigen Ausländern zusammen.....Wenn solche Menschenmengen in kurzer Zeit zusammenkommen, drängen sich auch alle jene nach dieser Stelle hin, die aus irgendeinem Grunde untertauchen wollen, und Neumühl gab jedem Arbeit...Der Schnapsausschank in der an der Zeche gelegenen Wirtschaft Ostrop betrug monatlich zirka 300 Hektoliter. Neumühl war Wildwest. Allmonatlich wurde wenigstens ein Mensch totgeschlagen....Die Steiger hatten jeder einen Waffenschein und trugen Revolver bei sich....

"Leben und Arbeit in Neumühl," Teil 1, 1893 - 1933, im Bestand der Stadtbücherei Duisburg.
CD-Rom auf Anfrage bei: Hermann Schwieren, 02066/38669



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