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Neumühl 1960

Leben und Arbeit in Neumühl, Teil 2, 1933 - 1963

Eine böse Überraschung erlebten die Neumühler im Jahre 1933.
Haniel beabsichtigte die Schließung der Zeche Neumühl und stattdessen den Erwerb der Zeche Sachsen in Heessen bei Hamm. Neumühl hatte damals großen Absatzmangel. Insgesamt mußten deshalb 93 Feierschichten eingelegt werden. Zum Glück für die Neumühler zerschlugen sich diese Pläne aber im Juli:
Es steht fest, daß der Haniel-Konzern die Zeche Sachsen nicht übernehmen wird. Andererseits ist der Vertrag zwischen der Gewerkschaft Rheinpreußen und den Gewerken von Sachsen noch nicht rückgängig gemacht. Die Hanielzechen stehen deswegen noch in Verhandlungen. Es ist ihnen versagt, nach Lage der Dinge notwendige Arbeiterentlassungen vorzunehmen, und da ein Beschäftigungszuwachs durch Übernahme der Sachsenquote nicht mehr möglich ist, müssen andere Mittel und Wege gesucht werden, um den Belegschaften der Hanielzechen mindestens vier Arbeitsschichten in der Woche zu sichern, die sie jetzt noch nicht einmal verfahren.....
( Duisburger Generalanzeiger v. 16.7.1933)
1934 verringerte sich die Zahl der Feierschichten auf 69 und ging wegen der anspringenden Konjunktur bis 1936 auf 0 zurück.
Es ging wieder aufwärts. Die Schachtanlage förderte über den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit hinweg weiter Kohlen. Das Gespenst der Stillegung geht aber schon 1949 wieder um.
Auszug aus der Denkschrift des Betriebsrates und der Schachtgruppe der IG Bergbau der Schachtanlage "Neumühl" in Hamborn:
Die Verwaltung der Zeche Neumühl fordert vom Betriebsrat die Zustimmung zu Entlassungen und Einführung von Kurzarbeit für drei Tage in der Woche. Sie begründet diese Forderung mit finanziellen Schwierigkeiten.
Die Betriebsräte warfen der Werksleitung an Hand von mehreren Beispielen vor, trotz steigender Förderzahlen bei moderater Erhöhung der Gedingelöhne sowie bei mangelhafter betriebswirtschaftlicher Führung der Schachtanlage die schlechte Finanzlage selbst verursacht zu haben.
Sie sind der Auffassung, daß die Kosten einer solchen Wirtschaftsführung unter keinen Umständen den Bergarbeitern und ihren Familien aufgebürdet werden können.
Haniel hat dann wohl das Loch in der Kasse mit Gewinnen von den rentablen linksrheinischen Schachtanlagen der Gesellschaft gestopft; für die nächste Zeit waren die Rationalisierungspläne vom Tisch.
Am 26. April 1951 erklärt Bergwerksdirektor Middendorf auf einer Betriebsversammlung, daß die Zeche mit einem Defizit von 1,2 Millionen Mark arbeitet. 2 DM beträgt der Unterschied zwischen Erlös und Gestehungskosten der Kohle....Nur eine Mehrförderung von 1000 Tonnen täglich könne die Zeche retten.
Nach einem Zwischenhoch in den folgenden Jahren stiegen dann aber die Gestehungskosten durch die Verlagerung des Abbaus auf tiefergelegene Sohlen in Verbindung mit hohen Temperaturen so stark, daß die Zeche nicht mehr zu retten war.

Im November 1958 berichtet die WAZ:
Schacht Neumühl wird schon bald Teile seiner Anlagen stillegen. 1000 Bergleute wandern mit der Zeit zu linksrheinischen Anlagen ab......Die ersten Gerüchte haben im Stadtteil Neumühl beträchtliche Aufregung verursacht....Viele glauben, daß diese Umstellung den "Anfang vom Ende" bedeute. Die Rheinpreußen A.G. versicherte uns gestern abend eindringlich, daß an eine völlige Stillegung der Schachtanlage nicht gedacht sei....

Im Februar 1959 schreibt die WAZ:
Alle Beteuerungen täuschen nicht darüber hinweg: Neumühl ist eine sterbende Zeche.
Im Jahre 1962 wurde die Zeche Neumühl endgültig stillgelegt.

"Leben und Arbeit in Neumühl", Teil 2, 1933 - 1963, im Bestand der Stadtbücherei Duisburg.
CD-Rom: Hermann Schwieren, Tel. 02066/38669.



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